frühlingserwachen

es ist ein so schöner tag. die sonne scheint über den dächern und schenkt dem erwachenden frühling seine kräftigen farben. ich beschließe mich der aufkeimenden lebenskraft hinzugeben und mache mich auf den weg zum stadtpark.
die hier überwinternden vögel begrüßen die ersten warmen tage mit einem munteren gezwitscher, das sie ertönen lassen, während sie scheinbar tanzend auf dem boden nach endlich wieder sichtbarem futter picken.
die spielplätze füllen sich langsam mit jungen müttern, die sich die wohligen sonnenstrahlen auf das gesicht scheinen lassen und sich kurz vom muttersein erholen, bis ihre kinder anfangen zu weinen, weil ihnen ein etwas älteres kind die sandform stibitzt hat.
junge, frischverliebte paare schlendern arm in arm durch das satte grüne gras, das genausogut blau eingefärbt sein könnte, sie würden es nicht merken, haben nur augen für sich.
eine gruppe jugendlicher spielt frisbee. bei jeder fast schon artistisch anmutenden einlage einer schlecht geworfenen, aber gut gefangen frisbeescheibe ertönt die kleine gruppe in tösendem applaus.
am anderen ende der wiese sitzt eine frau. sie mag nicht so in das bild des erwachenden frühlings passen. eingewickelt in einen schwarzen fetzen, den der tod ihr höchstpersönlich geschenkt haben muss, ihr gesicht versteckt unter einer kapuze. ich entschließe mich sie näher zu betrachten und gehe langsam, aber bestimmt auf sie zu. je näher ich komme, desto lauter wird ihr klagen. kein anderer scheint es zu hören. ich hocke mich vor sie.
„es tut weh!“ – „was tut ihnen weh? sie müssen mir sagen, wo es ihnen weh tut, nur dann kann ich ihnen helfen!“ – „es tut so weh.“ – „wo? wo tut es weh?“ – „überall...“ – „ich kann aber nichts erkennen. sind sie gestürzt? was tut ihnen weh? ihr rücken? tut ihnen ihr rücken weh?“ – „nein…das ist es nicht. es tut hier“ – sie berührte mit ihrer geballten hand die stelle an ihrem körper, unter der ihr herz war – „weh.“ sie sah mich mit ihrem durchdringenden schmerzvollen blick an. ich versuchte mich aus der starre zu lösen, in die mich ihr blick versetzte. nach einer gewissen zeit, die sich mit sicherheit länger anfühlte, als sie es tatsächlich war, blinzelte ich und im nächsten moment war die frau verschwunden…
sie hatte recht, es tat dort weh.

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