sie
was die leute über sie dachten war klar. sie hielten sie für einen eigenartigen menschen. so kalt und nicht wirklich umgänglich, um nicht zu sagen, ein arschloch. oder eine arschlochin, wie es ja heute politisch korrekt heißen muss.
es ist ja auch verständlich. immer hatte sie ein ernstes gesicht, das irgendwie eingebildet wirkte. wenn man wollte konnte man sich auch einbilden, sie gucke düster drein und hasste einen. und auch was sie immer sagte. sie war immer dagegen und musste auf ihrer meinung beharren, egal ob alle anderen dagegen waren oder nicht. kompromisse gab es keine. oder kaum. aber immer liefen die gespräche darauf hinaus, dass sich mindestens einer auf den schlips getreten fühlte…und das war nicht sie. die leute entwickelten die angewohnheit ihr kein recht mehr zu geben, auch wenn sie die besseren argumente hatte. nur aus prinzip. so einer arschlochin muss man doch zeigen, wo es langgeht. „die“, sagten die leute „ist zurecht eine einzelgängerin.“
nie wären sie auf die idee gekommen zu hinterfragen, warum sie so war wie sie war. nie wären sie auf die idee gekommen, dass sie etwas verloren hat. nie wären sie auf die idee gekommen, dass sie sich nur versteckte. versteckte? wovor? wovor kann sich so eine junge frau schon verstecken? vor dem blühendem leben? vor dem blühendem leben…nein, das war es sicher nicht. sie versteckte sich vor den dingen, die ihr stück für stück ihre seele entrissen. versteckte sich vor ersten großen lieben, die ihr das herz brachen. versteckte sich vor freunden, die sie enttäuschten. versteckte sich vor immer mehr menschen, die ihr etwas nehmen wollten. was sie wollten? sie wollten ihr vertrauen. sie wollten, dass sie es ihnen zeigte, um dann in einer schnellen bewegung ein stück abzuschneiden und an das eigene ego zu nähen. für sie hatte kein mensch es verdient von ihr geliebt zu werden. sie würden ihr alle irgendwann das messer ins herz stoßen, so dachte sie. liebschaften, freunde, sogar die familie. niemand hatte mehr ihr vertrauen verdient. dabei wollte sie nichts sehnlicher als nicht mehr alleine zu sein!
‚wie klischeehaft’, dachte der ältere herr.
‚sie hat es richtig gemacht. sie wollte es wohl wirklich…’, dachte sein jüngerer kollege.
‚warum hast du das getan?’ er hielt ihren brief in der hand, den er wenige minuten zuvor in seinem briefkasten fand. tränen standen in seinen augen. ‚ich habe dich geliebt. ich wollte nichts anderes als in deiner nähe sein. du warst nicht allein.’ er dachte, er hatte sich ihr genähert. er dachte, er würde sie verstehen. er dachte, sie würde ihn genauso mögen wie er sie.
das letzte, was sie dachte, bevor sie die klinge ansetzte, war: ‚du wirst mir nicht mein herz rausreißen!’
es ist ja auch verständlich. immer hatte sie ein ernstes gesicht, das irgendwie eingebildet wirkte. wenn man wollte konnte man sich auch einbilden, sie gucke düster drein und hasste einen. und auch was sie immer sagte. sie war immer dagegen und musste auf ihrer meinung beharren, egal ob alle anderen dagegen waren oder nicht. kompromisse gab es keine. oder kaum. aber immer liefen die gespräche darauf hinaus, dass sich mindestens einer auf den schlips getreten fühlte…und das war nicht sie. die leute entwickelten die angewohnheit ihr kein recht mehr zu geben, auch wenn sie die besseren argumente hatte. nur aus prinzip. so einer arschlochin muss man doch zeigen, wo es langgeht. „die“, sagten die leute „ist zurecht eine einzelgängerin.“
nie wären sie auf die idee gekommen zu hinterfragen, warum sie so war wie sie war. nie wären sie auf die idee gekommen, dass sie etwas verloren hat. nie wären sie auf die idee gekommen, dass sie sich nur versteckte. versteckte? wovor? wovor kann sich so eine junge frau schon verstecken? vor dem blühendem leben? vor dem blühendem leben…nein, das war es sicher nicht. sie versteckte sich vor den dingen, die ihr stück für stück ihre seele entrissen. versteckte sich vor ersten großen lieben, die ihr das herz brachen. versteckte sich vor freunden, die sie enttäuschten. versteckte sich vor immer mehr menschen, die ihr etwas nehmen wollten. was sie wollten? sie wollten ihr vertrauen. sie wollten, dass sie es ihnen zeigte, um dann in einer schnellen bewegung ein stück abzuschneiden und an das eigene ego zu nähen. für sie hatte kein mensch es verdient von ihr geliebt zu werden. sie würden ihr alle irgendwann das messer ins herz stoßen, so dachte sie. liebschaften, freunde, sogar die familie. niemand hatte mehr ihr vertrauen verdient. dabei wollte sie nichts sehnlicher als nicht mehr alleine zu sein!
‚wie klischeehaft’, dachte der ältere herr.
‚sie hat es richtig gemacht. sie wollte es wohl wirklich…’, dachte sein jüngerer kollege.
‚warum hast du das getan?’ er hielt ihren brief in der hand, den er wenige minuten zuvor in seinem briefkasten fand. tränen standen in seinen augen. ‚ich habe dich geliebt. ich wollte nichts anderes als in deiner nähe sein. du warst nicht allein.’ er dachte, er hatte sich ihr genähert. er dachte, er würde sie verstehen. er dachte, sie würde ihn genauso mögen wie er sie.
das letzte, was sie dachte, bevor sie die klinge ansetzte, war: ‚du wirst mir nicht mein herz rausreißen!’
MegSummers - 15. Jan, 14:36
also...