strassenbahnfahrt
jepp, die erde ist doch 'ne scheibe. ich habe es gewagt trotz dringendster warnungen gottesfürchtiger zeitgenossen zu erkunden was auf der anderen seite der elbe sich wohl befindet. um dies zu tun kaufte ich mir ein billet für die strassenbahn und als der verkäufer, der automat sürzte nach der eingabe meines fahrziels ab, die antwort auf seine frage nach dem wohin hörte ward er kreidebleich.
noch dachte ich mir nichts bei dem absturz des automaten, schliesslich kam mir mal zu gehör dass er auf der basis von win95 arbeitet, und in meinem hochmut tat ich die gesichtsfarbe von jaques, so hiess der verkäufer laut seinem namensschild, als folge eines albernen aberglaubens der hiesigen eingeborenen in unheilvoller kombination mit dem lesen eines weit verbreiteteten täglich publizierten printmediums mit viel bild und wenig text ab. wie närrisch es war dies zu tun sollte sich erst noch zeigen.
nun sass ich also recht unbeeindruckt an der haltestelle und wartete auf den zug der linie 43. sie fährt nur alle 3,14 h, was ein sehr merkwürdiger rhythmus ist und da noch zeit bis zur nächsten bahn war las ich hunter s. thompson's "fear and loathing in las vegas". seit ich nach einem kleinen, ja nahezu albernen unfall stunden zumeist wartend in der notaufnahme verbrachte habe ich immer ein buch am mann. meistens benötige ich es nicht, da meine tramfahrten in der regel nicht allzu lang sind und ich seither auch nicht wieder weder eines albernen noch eines ernsten unfalls wegen in eine notaufnahme musste, doch in situationen wie dieser bin ich recht froh darüber. hin und wieder blickte ich hoch von meinem buch und liess die blicke schweifen. die übliche szenerie: kerle mit den hierzulande immer noch hochmodischen gürteltaschen, die dazugehörigen tussis die wohl längst von ihren kerlen verkloppt wurden wären wäre ihre hautfarbe auch nur ansatzweise echt, beide gruppen auf schuhen unterwegs, deren sohlen mit ihrer breite den eindruck erwecken, dass ihre träger wohl irgendwas kompensieren müssen, in schwarz gekleidete schulmädchen, manchmal zur abwechslung auch im che-guevara-t-shirt, mit tonnenweise lidschatten im gesicht, mit nietengürteln und alle mit denselben hochindividuellen nirvana- und limp bizkit-aufnähern auf ihren taschen, ein paar studenten die mit stativ und kamera herumdilettieren, darüber debattierend ob sie diese einstellung jetzt noch drehen müssen oder nicht, motorradpolizisten die radfahrer wegen nichtigkeiten zutexten und um dies tun zu können selber alle möglichen verkehrsregeln brechen,... ich merke gerade ich schweife ab, um es kurz zu machen: ein ganz normaler schöner sonniger tag im altweibersommer eben.
doch dann, gerade als raoul duke von der staubigen angelegenheit des starts des mint 400 berichtet, herrschte auf einmal eine alles erdrückende stille. es wurde urplötzlich kühl und windig. die sonne blieb, aber es wurde eben kühl. und windig. ich ärgerte mich schon keine jacke mitgenommen zu haben, jedoch ein blick auf die uhr, deren sekundenzeiger sich langsamer drehte als er es für gewöhnlich zu tuen scheint, offenbarte mir dass ich bald in der strassenbahn sitzen werde, in der es vielleicht nicht wärmer sein wird, die mir aber auf jeden fall schutz vor dem wind bietet. ein blick nach links bestätigte dies, doch auch das rumpeln der strassenbahn und das quietschen ihrer bremsen vermochte die stille nicht zu brechen, wie es überhaupt schien, dass sie nicht fuhr sondern vielmehr ihre gleise entlang schwebte. ich erhob mich von meinem platz und ging zur kante des bahnsteiges. beim näherkommen der bahn fiel mir auf, dass man das gesicht des fahrers nicht sehen konnte. man sah nichts als eine grosse dunkle kapuze. als die fahrerkabine an mir verbeischwebte, drehte sich der fahrer oder die fahrerin oder was auch immer zu mir um, dennoch konnte ich das gesicht nicht erblicken. ich weiss nicht ob es eine täuschung war, aber es schien mir als sei die kapuze nur mit luft gefüllt gewesen.
ich betätigte den knopf, der mir die tür öffnet, und stieg ein. die strassenbahn war ungewohnt sauber, und ganz in der nähe der tür sass ein clochard, der im rausche roten weines und dennoch sehr schön "port of amsterdam" sang und sich dazu selbst auf seinem akkordeon begleitete. obwohl es sehr schön war konnte ich dieses lied nicht wirklich geniessen, irgendwie war es trotz der nähe des mannes über dessen lippen und hände es sich in den fahrgastraum ergoss und dessen rotweinduft mir in die nase kroch so unheimlich weit weg.
ich setzte mich auf den einzigen noch freien platz in der bahn neben einen mann. er wirkte, so starr und stumm wie er dasass und so wie er aussah, als wäre er eine schaufensterpuppe, und zwar eine durchsichtige, aber er war dennoch ein mensch. "ein merkwürdiger geselle" dachte ich mir noch als ich beim umblicken feststellen musste dass die ganze bahn voll war von diesen duchsichtigen schaufensterpuppen, die dennoch menschen sind. wobei es jedoch nur je ein frauen- und ein männer-schaufensterpuppenmodell gab. die türen schlossen sich und los ging die reise. ich war aufgeregt als sich die bahn auf die grosse alte wilhelminische eisenbahnbrücke zubewegte, schliesslich war ich schon oft an ihrem anfang vorbeigegangen, doch ihr ende sah ich noch nie.
wir sind schon eine viertelstunde auf dieser brücke gefahren, da ruckte es plötzlich, wo doch die fahrt sonst so unwahrscheinlich ruhig war. beim blick aus dem fenster sah ich dann endlich das ende der brücke, doch hier war nicht etwa das andere ufer, nein, das ding endete mitten auf der elbe! während ich so aus dem fenster sah und darauf wartete, mit der tram in die bräunliche brühe einzutauchen, was jedoch schon recht lange auf sich warten liess, stellte ich fest, dass wir inzwischen an einem wahnsinnnig grossen elefanten vorbeiflogen. ich erinnerte mich an die alte legende wonach die erde eine scheibe auf dem rücken dreier riesiger elefanten sei, die ihrerseits den rücken einer noch viel grösseren, in einem ozean schwimmenden schildkröte beanspruchen. "scheisse!" dachte ich,
"ICH BIN VOM PLANETEN GEKIPPT!"
maybe to be continued, maybe not
[hinweis: ich habe diese geschichte schon vor einiger zeit geschrieben und zuerst auf meiner alten, damaligen homepage veröffentlichen]
noch dachte ich mir nichts bei dem absturz des automaten, schliesslich kam mir mal zu gehör dass er auf der basis von win95 arbeitet, und in meinem hochmut tat ich die gesichtsfarbe von jaques, so hiess der verkäufer laut seinem namensschild, als folge eines albernen aberglaubens der hiesigen eingeborenen in unheilvoller kombination mit dem lesen eines weit verbreiteteten täglich publizierten printmediums mit viel bild und wenig text ab. wie närrisch es war dies zu tun sollte sich erst noch zeigen.
nun sass ich also recht unbeeindruckt an der haltestelle und wartete auf den zug der linie 43. sie fährt nur alle 3,14 h, was ein sehr merkwürdiger rhythmus ist und da noch zeit bis zur nächsten bahn war las ich hunter s. thompson's "fear and loathing in las vegas". seit ich nach einem kleinen, ja nahezu albernen unfall stunden zumeist wartend in der notaufnahme verbrachte habe ich immer ein buch am mann. meistens benötige ich es nicht, da meine tramfahrten in der regel nicht allzu lang sind und ich seither auch nicht wieder weder eines albernen noch eines ernsten unfalls wegen in eine notaufnahme musste, doch in situationen wie dieser bin ich recht froh darüber. hin und wieder blickte ich hoch von meinem buch und liess die blicke schweifen. die übliche szenerie: kerle mit den hierzulande immer noch hochmodischen gürteltaschen, die dazugehörigen tussis die wohl längst von ihren kerlen verkloppt wurden wären wäre ihre hautfarbe auch nur ansatzweise echt, beide gruppen auf schuhen unterwegs, deren sohlen mit ihrer breite den eindruck erwecken, dass ihre träger wohl irgendwas kompensieren müssen, in schwarz gekleidete schulmädchen, manchmal zur abwechslung auch im che-guevara-t-shirt, mit tonnenweise lidschatten im gesicht, mit nietengürteln und alle mit denselben hochindividuellen nirvana- und limp bizkit-aufnähern auf ihren taschen, ein paar studenten die mit stativ und kamera herumdilettieren, darüber debattierend ob sie diese einstellung jetzt noch drehen müssen oder nicht, motorradpolizisten die radfahrer wegen nichtigkeiten zutexten und um dies tun zu können selber alle möglichen verkehrsregeln brechen,... ich merke gerade ich schweife ab, um es kurz zu machen: ein ganz normaler schöner sonniger tag im altweibersommer eben.
doch dann, gerade als raoul duke von der staubigen angelegenheit des starts des mint 400 berichtet, herrschte auf einmal eine alles erdrückende stille. es wurde urplötzlich kühl und windig. die sonne blieb, aber es wurde eben kühl. und windig. ich ärgerte mich schon keine jacke mitgenommen zu haben, jedoch ein blick auf die uhr, deren sekundenzeiger sich langsamer drehte als er es für gewöhnlich zu tuen scheint, offenbarte mir dass ich bald in der strassenbahn sitzen werde, in der es vielleicht nicht wärmer sein wird, die mir aber auf jeden fall schutz vor dem wind bietet. ein blick nach links bestätigte dies, doch auch das rumpeln der strassenbahn und das quietschen ihrer bremsen vermochte die stille nicht zu brechen, wie es überhaupt schien, dass sie nicht fuhr sondern vielmehr ihre gleise entlang schwebte. ich erhob mich von meinem platz und ging zur kante des bahnsteiges. beim näherkommen der bahn fiel mir auf, dass man das gesicht des fahrers nicht sehen konnte. man sah nichts als eine grosse dunkle kapuze. als die fahrerkabine an mir verbeischwebte, drehte sich der fahrer oder die fahrerin oder was auch immer zu mir um, dennoch konnte ich das gesicht nicht erblicken. ich weiss nicht ob es eine täuschung war, aber es schien mir als sei die kapuze nur mit luft gefüllt gewesen.
ich betätigte den knopf, der mir die tür öffnet, und stieg ein. die strassenbahn war ungewohnt sauber, und ganz in der nähe der tür sass ein clochard, der im rausche roten weines und dennoch sehr schön "port of amsterdam" sang und sich dazu selbst auf seinem akkordeon begleitete. obwohl es sehr schön war konnte ich dieses lied nicht wirklich geniessen, irgendwie war es trotz der nähe des mannes über dessen lippen und hände es sich in den fahrgastraum ergoss und dessen rotweinduft mir in die nase kroch so unheimlich weit weg.
ich setzte mich auf den einzigen noch freien platz in der bahn neben einen mann. er wirkte, so starr und stumm wie er dasass und so wie er aussah, als wäre er eine schaufensterpuppe, und zwar eine durchsichtige, aber er war dennoch ein mensch. "ein merkwürdiger geselle" dachte ich mir noch als ich beim umblicken feststellen musste dass die ganze bahn voll war von diesen duchsichtigen schaufensterpuppen, die dennoch menschen sind. wobei es jedoch nur je ein frauen- und ein männer-schaufensterpuppenmodell gab. die türen schlossen sich und los ging die reise. ich war aufgeregt als sich die bahn auf die grosse alte wilhelminische eisenbahnbrücke zubewegte, schliesslich war ich schon oft an ihrem anfang vorbeigegangen, doch ihr ende sah ich noch nie.
wir sind schon eine viertelstunde auf dieser brücke gefahren, da ruckte es plötzlich, wo doch die fahrt sonst so unwahrscheinlich ruhig war. beim blick aus dem fenster sah ich dann endlich das ende der brücke, doch hier war nicht etwa das andere ufer, nein, das ding endete mitten auf der elbe! während ich so aus dem fenster sah und darauf wartete, mit der tram in die bräunliche brühe einzutauchen, was jedoch schon recht lange auf sich warten liess, stellte ich fest, dass wir inzwischen an einem wahnsinnnig grossen elefanten vorbeiflogen. ich erinnerte mich an die alte legende wonach die erde eine scheibe auf dem rücken dreier riesiger elefanten sei, die ihrerseits den rücken einer noch viel grösseren, in einem ozean schwimmenden schildkröte beanspruchen. "scheisse!" dachte ich,
"ICH BIN VOM PLANETEN GEKIPPT!"
maybe to be continued, maybe not
[hinweis: ich habe diese geschichte schon vor einiger zeit geschrieben und zuerst auf meiner alten, damaligen homepage veröffentlichen]
sascha-b - 15. Jan, 14:24
mal sehen, wenn sie weitergeht werde ich es euch hier wissen lassen